• Potenzial für viel, viel mehr

    Potenzial für viel, viel mehr

    Ein Interview mit Andreas Haug, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Phoenix Design, über den Standort Stuttgart und Branchentrends. Nachzulesen in der Zeitschrift "Die Kreativen - Menschen, Unternehmen und Projekte im Kreativland Baden-Württemberg" des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.


    Herr Haug, Sie sind seit Ende der Achtziger im Geschäft. Inwiefern hat sich die Arbeit des Produkt-Designers verändert? Natürlich spielt Detailarbeit noch immer eine große Rolle. Die Leistungen haben sich jedoch deutlich in Richtung Strategie erweitert: markentypische und nutzerzentrierte Gestaltung etwa. Ein rasant wachsender Markt ist die Verzahnung von Produktdesign und digitalen Interfaces, also Oberflächen zur Steuerung und Nutzung von Produkten. Heute arbeitet bereits über ein Drittel unserer 60 Mitarbeiter am Interaction Design, der Gestaltung der Schnittstellen zwischen Nutzer und Produkt. Die Zeit, in der man mit purem Styling einiges bewegen konnte, ist jedenfalls vorbei. Heute stehen Kommunikation und ganzheitliche Produkterlebnisse im Vordergrund. Hier ist „Service-Design“ die Zukunft, gerade bei Consumer Electronics. Apple und Google sind Beispiele hierfür.

    Sie designen vom Duschkopf bis zum Service-Roboter ein breites Produktspektrum... Diese Bandbreite ist nicht typisch in der Designbranche, aber für uns eine ganz wichtige Voraussetzung, um zeitgemäß zu gestalten. Wir nutzen die Synergieeffekte, unsere Designer und Modellbauer wechseln gerne mal die Branche.

    Ist der Duschkopf der Zukunft online? Vernetzung ist die große Herausforderung. Alle gestalterischen Disziplinen müssen aufeinander abgestimmt werden, bei Designer und Hersteller. Hier herrscht großer Nachholbedarf. Der Trend zum miniaturisierten Computer ist nicht aufzuhalten. Und der nächste Duschkopf reagiert vielleicht auf Sprachbefehle.

    Welche Bedeutung haben die zahlreichen Designpreise, die Phoenix Design eingeheimst hat? National wie international sind sie ein wichtiger Faktor für die Beurteilung unserer Leistungsfähigkeit. Wir freuen uns, dass auch unsere Kunden sich mit den Produkten internationalen Juroren stellen und der Erfolg uns gemeinsam zugutekommt. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Entwürfe durch Langlebigkeit uns messbaren wirtschaftlichen Erfolg überzeugen.

    Phoenix ist unter anderem Mitglied im aed. Dieser Verein wurde von Stuttgarter Architekten, Ingenieuren und Designern gegründet, um Akteure zu vernetzen und ihre Arbeit der Öffentlichkeit zu vermitteln. Inwiefern profitiert ihr Unternehmen von der Vernetzung? Der aed ist in der deutschen Designlandschaft einmalig. Hier steckt Potenzial für viel, viel mehr. Für den fachlichen Austausch laden wir darüber hinaus einmal im Monat zum Lunchtalk bei Phoenix Design ein: Eingebunden in ein schönes Mittagessen für das gesamte Team präsentieren sich Agenturen, Architekten, Filmemacher, und Designer aus Stuttgart. Ziel ist es, auf die großartige Gestaltungslandschaft im Großraum Stuttgart aufmerksam zu machen und Synergien zu nutzen.

    Phoenix hat Standorte in Stuttgart, München und Shanghai. Warum genau hier? Shanghai ist die Design-Metropole von China und ein wichtiger Begegnungsort mit asiatischen Kunden. Die Gestaltung der Produkte und Interfaces findet jedoch in Stuttgart oder München statt; viele unserer Kunden kommen aus dem süddeutschen Raum.

    Ist Stuttgart als Arbeitsplatz für Kreative denn attraktiv? Stuttgart als eine der Hochburgen des Designs in Deutschland bleibt unser Hauptsitz. Talentierten Studierenden bieten wir in Ergänzung zu ihrer Hochschulausbildung an, dass sie ihre Abschlussarbeiten bei uns erstellen. Sie werden von erfahrenen Designern und Modellbauern betreut sowie finanziell unterstützt.


    >> Quelle: Plavec, J. G. (2016): „Potenzial für viel, viel mehr“, in: Die Kreativen. Menschen, Unternehmen und Projekte im Kreativland Baden-Württemberg, 42-43. Download: www.wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/publikation/did/die-kreativen
     

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