User Experience von Care-O-bot 4 im Praxistest

„Wie wirkt der Care-O-bot 4 im Verkaufsraum? Evaluation der User Experience eines Serviceroboters“ heißt die Forschungsarbeit von Carolin Schmitt, die sie bei Phoenix Design geschrieben hat. Darin untersucht die Interaction Designerin, wie Besucher des Elektronikmarktes Saturn in Ingolstadt auf den von Phoenix Design gestalteten Care-O-bot 4 des Fraunhofer IPA reagieren.

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  • 1 - Test-Szenario

    1 - Test-Szenario

    Paul steht an seiner Station im Eingangsbereich des Elektronikmarktes. Mit seinen Sensoren erkennt Paul eine Annäherung innerhalb seines Interaktionsbereichs. Er begrüßt sein Gegenüber, stellt sich vor und fragt ob er bei einer Produktsuche behilflich sein kann. Der Kunde teilt Paul mit, für welches Produkt er sich interessiert. Der Kunde hat die Wahl zwischen der Navigation in die Abteilung des gesuchten Produktes oder einer Anzeige der Suchergebnisse, Im Produktanzeige-Modus neigt er den Kopf und den Torso und dreht das Display in eine horizontale Ausrichtung. Die direkte Navigation zu einem bestimmten Produkt kann der Kunde nur aus der Suchergebnisliste starten. Ansonsten führt Paul den Kunden in die Abteilung des gesuchten Produktes. Am Ziel angekommen gibt es die Option sich von Paul einen Mitarbeiter rufen zu lassen. Wenn der Mitarbeiter eintrifft, identifiziert er sich mittels eines QR-Codes bei Paul. Wird keine Mitarbeiterhilfe benötigt, möchte Paul noch vier Fragen beantwortet bekommen, bevor er sich verabschiedet – unter anderem »Wollen wir Facebook-Freunde werden?«. Die Tanz-Sequenz kann zufällig starten. Dabei nehmen seine Augen den entsprechenden Tanzausdruck an, er spielt Musik und sowohl der LED-Ring als auch die LEDs an den Radkappen blinken in bunten Farben. (Foto: Phoenix Design)

  • 2 - Wirkung von Care-O-bot4 "Paul" auf Kinder im Saturn

    2 - Wirkung von Care-O-bot4 "Paul" auf Kinder im Saturn

    Kinder können auf Grund ihrer Größe Pauls Display nicht sehen. Waren die Kinder auf dem Arm der Eltern konnte beobachtet werden, dass sie auf das Display bzw. die Augen tippten. (Foto: Phoenix Design)

  • 3 - Pauls Augen als Kontaktpunkt

    3 - Pauls Augen als Kontaktpunkt

    Der „Hingucker“ sind natürlich die animierten Augen von Paul, die je nach Gefühlszustand verschiedene Ausdrücke annehmen können. Sie wirken unter anderem als Bezugspunkt in der Kommunikation mit dem Serviceroboter. (Foto: Phoenix Design)

Der Umgang mit Robotern ist für die meisten Menschen noch neu und stellt daher eine besondere Form der Interaktion dar. Phoenix Design hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IPA und Saturn den Charakter von „Paul“ gestaltet. Bei der Konzeption seines Charakters wurde bewusst versucht, ihm eine Persönlichkeit zu geben und ihn dadurch nahbarer für die Menschen im Elektronikmarkt zu machen. Deshalb hat Paul neben seinem Namen auch eine Geschichte und Vorlieben.

In einem Pilotprojekt begrüßt der Serviceroboter als zusätzliche Einkaufshilfe seine Kunden und hilft ihnen unter anderem dabei, Produkte zu finden. Die Serviceleistung von Paul wurde bei der Untersuchung in 10 Szenarien unterteilt, von der Begrüßung am Eingang bis zur Verabschiedung, nachdem er den Kunden bei der Produktsuche unterstützt hat.


Für ihre Forschungsarbeit hat Interaction Designerin Carolin Schmitt die Wirkung von Care-O-bot 4 im Verkaufsraum ausgewertet. Unter anderem wurde auch die Interaktion von Kindern mit Care-O-bot 4 untersucht. Sowohl von Seiten der Verkäufer, als auch von Seiten der Kunden wurde häufig die Vermutung aufgestellt, dass Kinder sicherlich begeistert von Paul seien. In der Tat fielen die Reaktionen der Kinder auf den Serviceroboter heftiger aus. Sie begegneten ihm mit mehr Geduld und nahmen ihn intensiv unter die Lupe. Vor allem die farbigen LEDs die Aufmerksamkeit aller Kinder auf sich. Vor allem die hinterleuchteten Radkappen wurden gerne angefasst. Zusätzlich wollten alle Kinder den roten Notausschalter-Knopf drücken – da er sich auch auf einer gut erreichbaren Höhe für Kinder befindet. Solange Paul sich nicht bewegte, hatten die Kinder keinerlei Berührungsängste und erkundeten ausgiebig Pauls Basis und Torso.


Wenn es um das Design des Serviceroboters geht, sind die Augen von Paul eines der wichtigsten Elemente für die wahrgenommene User Experience (wie auch in der zwischenmenschlichen Interaktion). Seine Augen wurden von den Kunden überwiegend positiv wahrgenommen. Für einige waren sie das Gestaltungsmerkmal, welches Paul auf sie »süß« oder »knuffig« wirken ließ. Auch das Blinzeln kam gut an und wurde als Zeichen von »Lebendigkeit« gedeutet – im Sinne von Ansprechbarkeit und Aktivität.

Natürlich spielen auch die Bewegung, Sprache, Funktionalität und der Charakter eine Rolle und beeinflussen die Wahrnehmung von Paul. Weitere Ergebnisse der qualitativen Untersuchung über die Einstellung und Wahrnehmung der Menschen bezüglich des Serviceroboters und seiner Wirkung werden auf der Konferenz MENSCH UND COMPUTER 2017 am 10.-13.09.2017 in Regensburg von Carolin Schmitt und Johannes Schäfer vorgestellt.

>> Im Nachgang der MuC 2017 stellen wir Ihnen hier den Beitrag von Phoenix Design im Konferenzband zur Verfügung.